Geheimnisträger

Geheimnisträger ist der Titel einer offenen Reihe, die seit 2003 kontinuierlich erweitert wird. Sie besteht aus jeweils einem Portraitfoto eines professionellen Geheimnisträgers mit dessem persönlichen Text zur Geheimnisträgerschaft.


Geheimnisträger in der Ausstellung "Zeit richten", Kunst in NRW, Ehemalige Reichsabtei Aachen-Kornelimünster

in der Ausstellung „Zeit richten“, 2003, Kunst in NRW, Ehemalige Reichsabtei Aachen-Kornelimünster

Christa Buck

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Menschen vertrauen mir ihre Sorgen, Nöte und Belastungen an, wie z.B. Arbeitslosigkeit (Verlust des Arbeitsplatzes), Suchtprobleme, Krankheiten, Partner- und Familienkonflikte, Trauer, Suizid-Absicht usw.. Im Gespräch komme ich durch intensives Zuhören und Verständnis für die jeweilige Situation mit den Menschen in vertrauensvollen Kontakt. Manchmal zeigt sich im Gespräch ein Weg zur Problemlösung. Dem Betroffenen geht ein „Licht auf“. Verschwiegenheit über die Gespräche ist selbstverständlich und Voraussetzung für die Arbeit.
Christa Buck, Telefonseelsorgerin


Franz Saditt

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Nur solange der Mensch Geheimnisse haben kann, wird seine Würde geschützt sein. Die Verschwiegenheit des Rechtsanwalts schützt die Würde des Mandanten.
Prof. Dr. Franz Salditt, Rechtsanwalt


Friedhelm Mennekes

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Was macht das Spezifikum im Gespräch mit einem Geistlichen aus, im Unterschied etwa zu einem Therapeuten, einem Arzt, einem Anwalt? Da würde ich sagen, natürlich ist das Gespräch mit einem Geistlichen immer ein Gespräch mit einem Vorbehalt. Es ist ein Gespräch nicht nur mit dieser Person, sondern mit einem, für den diese Person steht. Es ist auch kein institutionelles Gespräch, sondern es ist ein Gespräch in einer Institution, in diesem Fall Kirche. Der Vorbehalt ist, dass nicht nur ich gemeint bin, sondern ich als Vertreter einer anderen Macht. Es geht eben dabei nicht nur um ein persönliches Freisprechen, sondern um ein Herauslocken mit einem Gott, der hinter mir steht als Gott der Vergebung und des Freimachens, einem Gott des Vertrauens. Das ist das Entscheidende. Mit einer solchen Kraft im Rücken, kann ich, wenn ich mich nicht richtig verhalte, sehr autoritär werden, ich kann Druck machen; alles das darf man nicht, das muss man vermitteln, das ist eben eine Frage eines sehr sensiblen, feinen, sanften Vertrauens. Darum geht es, und da gibt es zunächst schlichtweg Menschlichkeit. Aus menschlichem Grund kann ich ein solches Gespräch nicht benutzen, ich würde den Menschen und das Vertrauen missbrauchen. Dazu kommt dann das allgemeine, sozusagen professionelle Schweigegebot und dann noch mal das Schweigen im Namen Gottes, wenn Sie so wollen.
Durch den Vorbehalt ändert sich die Sprache, und noch mehr ändert sich der Ton. In dem Fall aber wandelt sich der Begriff „Geheimnisträger“. In dem Sinne bin ich nicht nur ein Geheimnisträger, der etwas Unbekanntes von einem anderen empfängt, sondern ich selber bin Träger einer geheimnisvollen Sprache zu dritt, also eine Art Mediator, der dann eher für das Geheimnis als Adressat steht und für die Kommunikation zwischen den Geheimnissen des Individuums, des Partners einerseits und der vermuteten Anwesenheit als ein Geheimnis, so dass ich dann schlichtweg nur der bin, der diesen geheimen Dialog ermöglichen sollte.

Pater Friedhelm Mennekes, Jesuitenorden


N. N.

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Police work requires maintaining secrets on many levels and exposing them on others. We try to open up the secrets behind crime and corruption on the philosophy that the harsh sunlight is the best antiseptic for the diseases of society. In doing this in an effective and efficient way, we also must maintain credibility with confidential sources and work effectively within a broad evidence landscape to focus only on the important facts. In doing a search-and-seizure, we are there for a well-defined and court-approved purpose, not to go on a fishing expedition. With victims, we also have to draw careful lines in how we treat highly personal information to focus on the case-relevant information; with defendants, so that they can have a fair trial we cannot release public information about their cases; with current and future police investigations we have to maintain the highest levels of confidentiality to enable our officers to do their job without advance warning to criminals.
Sadly, police forces around the world struggle with corruption issues from time to time, and thus for honest police officers it is a emotionally draining and complicating struggle when one must maintain secrets from fellow officers. Nearly two decades ago, I found myself locked in such a struggle with the freedom of several Thai women at stake. Locked into a brothel with no salary but their daily food, these women had been brutalized, raped repeatedly and put onto the market as if they were not human. These women were scared nearly to death when we first intervened, not knowing whether they would face the courts as defendants, witnesses or victims in a land far from home. Despite the entrenched and well-connected interests that arose in the course of the investigation, we were able to earn the trust of these women, protect them, and ensure their safe return to their homeland while prosecuting those who had victimized them. At the airport as we escorted these young women to the plane, they bowed in farewell with sincere thanks. The look in their eyes was buried within my heart forever.
Even within my own circle of family and friends these rules exist such that on a personal level, it is a hard life for police officers that they cannot talk about the highly stressful, often shocking things they encounter in an average work day. In looking back on my police career and the necessary struggle to both protect and uncover secrets, I am glad to have fought a good fight and think often of those Thai women we freed all those years back. When I think of their safe return and the relief and freedom within their eyes as they left, I know that the struggle was worthwhile.

N.N., Head of Police Department Foreign Affairs


Annette Diehl

ADiehl-solo
Ich bin als Hausärztin Geheimnisträgerin. Im Vertrauen auf das Einhalten der ärztlichen Schweigepflicht erzählen mir Patienten oft Geheimnisse, die außer uns niemand kennt. Manche sind erfreulich, andere nicht.
Dr. med. Annette Diehl, Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren



Geheimnisträger in "Gefangene Geheimnisse"

in der Ausstellung „Gefangene Geheimnisse“, 2016, LVR-LandesMuseum Bonn